Familienzusammenführung als Weihnachtsgeschenk

Am 17.12. war es soweit – Ahmed konnte seinen Sohn endlich wieder in die Arme schließen und gleich mit nach Kärnten nehmen- in sein neues Zuhause in Ossiach.

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Belal (Mitte) und sein Vater (rechts) und sein Onkel (links); Belal und sein Onkel können wieder lachen – bei Ahmed wird es noch ein bisschen brauchen.

Kurz zum Hintergrund:

Belal, der Sohn, ist mit seinem Onkel bereits vor über einem Jahr nach Österreich geflüchtet. In Wien wurde er, da er ein unbegleiteter Minderjähriger war, in die Obsorge des Jugendamtes gegeben und hat in einem Heim im 16. Bezirk gewohnt. Belal hat bereits einen positiven Asylbescheid und damit eine Aufenthaltsgenehmigung.

Der 9-Jährige hat im vergangenen Jahr sehr gut Deutsch gelernt, geht  in die zweite Klasse Volksschule und ist Klassenbester.

Erstes Kennenlernen in Wien:

Nachdem wir im Verein die Betreuung sehr ernst nehmen, ist natürlich eine Vertretung vor Ort gewesen. Martina war bei dem Übernahmetermin anwesend, um so eventuelle Fragen im Bezug auf die Infrastruktur und Unterkunft zu beantworten bzw. zu bezeugen. „Es war so entzückend, denn als ich ankam war Ahmed (Vater) bereits im Kinderheim und Belal hat mich angestrahlt, als wäre es auch für uns ein Wiedersehen. Scheinbar hat der Vater bereits viele positive Dinge über die neue Heimat erzählt, dass dem Kleinen die Vorfreude anzusehen war. Er war höflich und aufgeregt zugleich und hat mir gleich ein paar Geschichten erzählt – im perfekten Deutsch (mit einem leichten Wiener Akzent 🙂 )“, so Martina.

Übergabe mit einer Dolmetscherin:

Der Vater, der nun die Obsorge übernehmen wird, wurde darüber aufgeklärt, dass sich Belal sicher sehr verändert hat, weil er seit einem Jahr in einem anderen Kulturkreis lebt, vielleicht auch ein bisschen mehr diskutiert und mitunter auch recht fordernd sein kann – anders als früher. Und dass es wohl ein bisschen dauern wird, bis die Familie wieder vollständig zusammengewachsen ist. Die Sozialarbeiterin erklärte auch, dass Kinder in Österreich nicht mit Ohrfeigen bestraft werden dürfen, dass Mädchen und Buben die selben Chancen auf eine gute Ausbildung brauchen, im Haushalt mithelfen sollen und dass Deutsch für Eltern genauso wichtig ist wie für die Kinder.

Abschied vom Kinderheim:

Belal hat sich herzlich von allen Freunden im Heim verabschiedet und man möchte meinen, dass Buben nicht so viel Gepäck haben, aber Weihnachten steht vor der Türe und so kamen noch einige Geschenke hinzu. … ein Bild sagt mehr als 1000 Worte.

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Umzugsgepäck eines 9-Jährigen, der viele Fans hat

Deutsch als Schüssel für Integration:

Der Onkel – Basel – wohnt seit einem Jahr in Wien und spricht ganz gut Deutsch. Und nachdem die helfenden Hände nicht ausreichten und es obendrein zu regnen begann, wurde kurzum ein Taxi zum Bahnhof bestellt. Der Taxifahrer – ein Ägypter, der seit 25 Jahren in Österreich lebt – hat natürlich auch sehr gut Deutsch gesprochen. „Belal schnappt als Kind natürlich die Fremdsprache auch viel leichter auf, aber man konnte  feststellen, dass  Ahmed (Vater) schon versucht hat, vermehrt deutsche Wörter zu verwenden. „, erzählt Martina.

Happy End – allerdings nicht für die gesamte Familie:

Ahmeds 2. Bruder ist noch in Syrien. Er hat eine 20-jährige Tochter, die nicht legal nach Österreich einreisen darf, was eine Familienzusammenführung leider nicht ermöglicht. So ist nun  Ahmeds Schwägerin mit den fünf minderjährigen Töchtern in Wien und der Bruder mit der 20-jährigen Tochter in Syrien. Ahmed hat gesagt, dass er sie nicht alleine lassen will.

Vatergefühle, die wahrscheinlich überall auf der Welt gleich sind.

 

 

 

 

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